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Fleißige Handwerker Jung und alt an der Werkbank

DSC08335Die Evangelische Kindertagesstätte Ewersbach aus dem Dekanat Dillenburg beteiligte sich über den kompletten Projektzeitraum am Projekt MiKitas. Ihre Idee für „Mehr Männer in Kitas“ war die Einrichtung eines laufenden Angebots, das in den Kita-Alltag integriert werden kann. Einmal wöchentlich, donnerstags besteht das Angebot für (Groß)-Väter, mit den Kindern an der neu angeschafften Werkbank zu arbeiten. Christian Urbanik und Monika Bender besuchten die Kita an einem Donnerstag im Juni und sprachen mit der Kitaleitung und beteiligten Erziehern und Erzieherinnen über Männer in Kitas, über MiKitas und das Projekt „Fleißige Handwerker“.

 

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Interview mit Anette Müller (Kitaleitung)

Frau Müller, was war Ihre Motivation, bei „Mehr Männer in Kitas“ mitzumachen?

In den 90er Jahren habe ich zum ersten Mal mit einem Mann im Team zusammengearbeitet. Er war drei Jahre bei uns und eine echte Bereicherung für die Kita. Dasselbe gilt für Sebastian Kunz, der zwei Jahre lang, bis vor kurzem bei uns als Erzieher arbeitete. Er hatte eine hohe Akzeptanz im Team und bei den Kindern. Von Vätern wurde er häufig als Ansprechpartner ausgewählt. Wenn Sebastian ein Kind auf dem Arm hatte oder mit Putzeimer und Lappen zugange war – da hab ich gedacht: Sehr gut, wenn so ein Vorbild da ist!

Wie sind Sie auf die Idee zum Kita-Projekt „Fleißige Handwerker“ gekommen?

Die Idee kam von Sebastian. Wir finden es wichtig, Stereotype ein Stück weit aufzulösen. Die neue Werkbank bietet die Gelegenheit, dass Mädchen und Jungen mit Frauen und Männern zusammen arbeiten. Wir waren der Meinung, dass das Thema Werken Männer besonders anspricht und deshalb ein niederschwelliges Angebot ist, um mehr Männer in die Kita zu holen. Es ist außerdem ein Angebot, das während der regulären Öffnungszeiten stattfinden kann. Gerade auch vor dem Hintergrund des Kifög sind Sonderaktionen kaum zu stemmen, die Stunden fehlen dann.

Wie hat sich das Projekt auf die Eltern ausgewirkt?

Die Reaktionen der Eltern sind positiv. Besonders Jungs werden speziell zur Werk-AG angemeldet. Was die Präsenz der Väter angeht, verzeichnen wir eine positive Tendenz. An Entwicklungsgesprächen z. B. nehmen immer öfter auch die Väter teil. Für punktuelle Aktionen kann man Väter besser gewinnen als für regelmäßiges Engagement.

Wie ist es Ihnen gelungen, ehrenamtliche Männer zu gewinnen?

Leider waren wir bisher nicht sehr erfolgreich. Die Idee war, vor allem Opas, die öfters die Kinder abholen, anzusprechen. Aber bis jetzt ist kein Opa bereit, an der Werkbank zu arbeiten. Bei Seniorinnen klappt es wunderbar. Wir haben sieben Vorlesepatinnen (66 – 80 Jahre). Warum das bei den Männern so schwierig ist, bleibt geheimnisvoll.

Wie hat sich MiKitas auf das Team ausgewirkt?

„Männer in Kitas“ sind ein Thema im Team. Schon die Anwesenheit von Sebastian hat da viel ausgelöst. Von ihm wurden Aktionen wie Fußball, Drachenbau und Insektenhotel besonders verfolgt. Wir haben alle zusammen die Gender-Basics gelesen. Das war für jede und jeden verbindlich.

Was hat Mikitas Ihnen gebracht?

Das hat einen kompletten Schub gegeben. In dem Projekt mitarbeiten zu können, fand ich eine Riesenbereicherung für die Einrichtung. Die Gender-Fortbildung, diese fünf Tage in Wettenberg, die ich besucht habe, war eine sehr gute fachliche Weiterbildung. Das hat sich auf alle Fälle gelohnt, in dem Projekt mitzuarbeiten. Und natürlich die Werkbank, die wir dank MiKitas anschaffen konnten.

Wünsche für die Zukunft:

Es wäre wichtig, dass die geschlechtersensible Pädagogik im Hinblick auf Qualitätsentwicklung zu Papier gebracht wird. Das, was in den letzten drei Jahren angestoßen wurde, darf nicht verloren gehen. Der Blick muss da weiter geschärft werden! Und ansonsten – ja, ich wünsche mir natürlich mehr Bewerbungen von qualifizierten männlichen Erziehern!

 

Interview mit Heike Hilbert (Erzieherin)

Frau Hilbert, Sie arbeiten mit den Kindern in der Werk-AG. Wie läuft es ab?

Wenn möglich, arbeiten ein Mann und eine Frau mit den Kindern. Es geht viel ums Ausprobieren an der Werkbank. Aber die Kinder lernen auch, dass das, was angefangen wird, auch fertig gemacht werden muss. Es ist eine Übung in Geduld. Meist verfahren wir so, dass wir einem Kind den Arbeitsschritt erklären und dieses Kind gibt sein Wissen an das nächste Kind weiter.

Was wollen die Kinder?

Aus Büchern konnten sich die Kinder aussuchen, was sie machen wollen. Es wurde abgestimmt und so entstand eine Wunsch-Liste. Das Ergebnis ist: Hängematte, Waldmännchen, Wasserräder und Flugzeuge. Von den Geräten ist besonders die Bohrmaschine interessant für die Kinder. Es ist nicht ganz leicht, sie zu bedienen. Ob es ein Kind kann oder nicht, hängt aber nicht vom Geschlecht ab, sondern ist eher altersbedingt.

Was machen Sie heute?

Heute sind die Wasserräder dran. Die brauchen wir für eine Aktion am kommenden Samstag. Da werden die Kinder zusammen mit ihren Vätern im nahegelegenen Bach Staudämme bauen. Dabei kommen auch die selbstgebauten Wasserräder zum Einsatz.

Wird das Angebot von Jungen und Mädchen gleich gut angenommen?

Insgesamt wird es gut angenommen. Manche Kinder kommen donnerstags nur wegen der Werk-AG. Die Jungs sind in der Mehrzahl, aber Mädchen machen auch mit. Natürlich spielen auch die Eltern bei der Wahl des Angebots eine Rolle…

Wie ist es für Sie, an der Werkbank zu arbeiten? Reagieren die Kinder auf Sie anders als auf den männlichen Kollegen?

Für mich sind handwerkliche Tätigkeiten kein Problem. Privat bin ich gerade dabei, mein Haus zu renovieren. Für die Kinder ist es ok, dass ich als Frau mit ihnen werke. Allerdings sprechen sie doch bei manchen Sachen eher Sebastian an. Wahrscheinlich kennen sie es von zuhause, wo doch meistens der Mann für‘s Handwerkliche zuständig ist. Tatsächlich macht Sebastian auch einige Sachen anders als ich, aber die Bandbreite von verschiedenen Vorgehensweisen ist ja gerade hilfreich für die Kinder.

 

Interview mit Doris Holfeld (Erzieherin)

Frau Holfeld, Sie haben die Vater-Kind-Aktion „Staudammbauen mit Wasserrädern“ begleitet. Wie ist es abgelaufen?

Wir trafen uns am Samstag, den 15. Juni 2013 in der Kita mit elf Vätern und zwölf Jungen und Mädchen. Gegen 14:00 Uhr gingen wir los zu einem Bach im nahegelegenen Wald. Dort sammelten die Kinder Äste, Blätter und Rinden – Material für mehrere Staustellen, die sie zusammen mit den Papas bauten. Nachdem das Wasser ausreichend gestaut war, wurden die Wasserräder in den Damm eingebaut. Es war für alle schön zu sehen, wie das Wasser die Räder in Bewegung setzte. Zwischendurch gab es noch ein Picknick im Wald. Gegen 17:00 Uhr waren wir wieder zurück in der Kita.

Was hat die Aktion Kindern und Vätern gebracht?

Einen ganzen Nachmittag lang hatten die Kinder ihren Papa ganz für sich. Und die Väter hatten die Gelegenheit, mal was ohne die Mütter mit ihren Kindern zu unternehmen. Außerdem lernen sich die Väter untereinander bei solchen Aktionen besser kennen. Für die Kinder war es ein schönes Erlebnis. Sie konnten sehen, dass die Wasserräder, die sie zuvor an der Werkbank gebastelt hatten, eine nützliche Funktion haben.

 

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