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„Mann oh Mann“ Männer aus verschiedenen Berufen in die Kita

DSC 0076Die Evangelische Kindertagesstätte Schatzkiste in Herborn-Hörbach hat sich von 2011 bis 2013 als Verbund-Kita im Projekt MiKitas engagiert. Dazu gehört die Weiterentwicklung des Projektes „Mann oh Mann“. Im Juni 2013 haben Christian Urbanik und Monika Bender von der Projektstelle MiKitas die Kita Schatzkiste besucht und Gespräche mit den am Projekt „Mann oh Mann“ Beteiligten geführt. In zwei Interviews berichten Judith Metz (Kitaleiterin) und Reiner Kuntzsch (ehrenamtlicher Mitarbeiter) über ihre Erfahrungen mit „Mann oh Mann“ und mit MiKitas.

 

 

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Interview mit Judith Metz

Frau Metz, was war Ihre Motivation, bei „Mehr Männer in Kitas“ mitzumachen?

Schon lange bevor das Projekt „MiKitas“ begann, hatten wir uns dem Thema zugewendet. Weil wir bemerkten, dass es immer mehr unterschiedliche Familienmodelle gibt (leibliche Väter, Stiefväter, Patchwork-Familien). Väter brauchen männliche Ansprechpartner. Sobald Männer in die Kita kommen, sind sie für die Kinder die Helden. Zwei Fragen interessieren uns besonders:

  1. Was für eine Rolle spielt die männliche Bezugsperson in der Entwicklung für Kinder?
  2. Was bedeutet es, wenn man einen männlichen Kollegen im Team hat?

Im Herbst 2010 hatten wir „Mann oh Mann“ begonnen. Das Projekt „MiKitas“ kam zur richtigen Zeit.

Wie sind Sie auf die Idee zum Kita-Projekt „Mann oh Mann“ gekommen?

Die Vernetzung im Sozialraum ist uns wichtig. Kinder sollen die Möglichkeit haben zu sehen, wie Männer und Frauen mit bestimmten Dingen umgehen. Zuerst dachten wir: Das ist ein Angebot für Jungs! Damit lagen wir ganz falsch! Die Kinder haben uns eines anderen belehrt: Mann oh Mann wird von Jungen und Mädchen gut angenommen.

Wie hat sich das Projekt auf die Eltern ausgewirkt?

Väter und Mütter interessieren sich dafür. Die Väter unterhalten sich ebenfalls über Erziehungsfragen. Durch die Vater-Kind-Freizeiten, die wir schon seit Jahren durchführen, ist die Beziehung zu den Papas gut. Man kennt sich aus den Freizeiten – dadurch ist die Schwelle, in die Kita zu kommen, gering. Mit „Mann oh Mann“ wird die Kita noch attraktiver für Väter. Seit ca. 1½ Jahren kommen immer mehr Männer z. B. zu den Elternabenden.

Ein besonderes Erlebnis bei Mann oh Mann

Die Schulkinder wollten selbständig ein Projekt „Feuerwehr“ machen. Der kleine Felix hatte einen Brief verfasst, um mich als Kita-Leitung um Erlaubnis zu bitten. Ich war sehr stolz auf Felix und bat ihn, den Brief von Herrn Kuntzsch lesen zu lassen. Herr Kuntzsch las den Brief aufmerksam durch, schaute Felix an und sagte: „Da fehlt aber Deine Unterschrift!“ Ich dachte: „Oh, nein. Wie kann Herr Kuntzsch nur so eine Reaktion zeigen. Wo ist die Wertschätzung? Jetzt ist der arme Junge völlig demotiviert!“ Und Felix? Er schaute Herrn Kuntzsch an und sagte: „Oh, stimmt!“ Gemeinsam redeten die beiden „Männer“ über den möglichen Ablauf des Projektes. Ein typisches Beispiel für die oft unterschiedliche Denkweise von Männern und Frauen. Männer hören meist mit dem „Sachohr“, Frauen mit dem „Beziehungsohr“.

Was hat MiKitas Ihnen gebracht?

„Mann oh Mann“ hat durch MiKitas Rückenwind bekommen. Bei den Verbund-Treffen habe ich interessante Kollegen und Kolleginnen kennengelernt und wir konnten uns über Projektideen austauschen. Ein Highlight war das Grundmodul Gender, an dem wir teilgenommen haben. Hier wurde der theoretische Background vermittelt. Man hat gelernt, innezuhalten und zu reflektieren. Häufig tappt man ja als Erzieher/-in in die Falle, allzu schnell ins Handeln zu kommen. Durch die Gender-Fortbildung wurde die Wahrnehmung geschärft. Unsere Erkenntnisse geben wir ins Team und an die Eltern weiter. Und nicht zuletzt haben wir durch MiKitas zwei Fußballtore bekommen, die wir uns sonst nicht hätten leisten können.

Wie ist es Ihnen gelungen, ehrenamtliche Männer zu gewinnen. Was würden Sie anderen Kitas raten?

Zu Anfang sind wir ganz aktiv auf Männer zugegangen, jetzt kommen sie schon von alleine. Wenn man Männern eine Brücke baut, sind sie gerne bereit mitzuarbeiten.


Tipps für andere Kitas: Offen sein (die eigene Haltung reflektieren), Türe öffnen (da kann man rein und raus), Mut haben, nicht aufgeben, Absagen auf dem Sachohr hören. Sehr hilfreich ist die Vernetzung mit Vereinen. Die Eltern muss man immer mit im Boot haben. Wichtig ist es, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Dazu gehört die Dokumentation der Projekt-Arbeit und die Präsentation, z. B. im Gemeindebrief. Bei ausgestellten Fotos sollte man auch auf die Metaebene hinweisen: Was bedeutet die Situation? Ich hab Kontakt mit Experten, ich vernetze mich – alles, was dahinter steckt.

Zukunftswunsch

Der Beruf Erzieher müsste interessanter werden. Männer müssen merken, dass die Arbeit mit Kindern spannend, interessant, lohnend und vielfältig ist. Ich finde, dass die Bezahlung, was das Grundgehalt betrifft, ok ist – wie bei Facharbeitern halt. Aber: Zusatzqualifikationen müssten entlohnt werden und es müsste eine angemessene Ausbildungsvergütung geben. Das wäre zielführend für mehr Fachkräfte (männliche und weibliche).

DSC 0213Interview mit Reiner Kuntzsch, ehrenamtlicher Mitarbeiter  im Projekt „Mann oh Mann“

Herr Kuntzsch, Sie engagieren sich seit 2010 ehrenamtlich im Projekt „Mann oh Mann“ in der Kita Schatzkiste. Wie kam es zu Ihrer Mitarbeit?

Alleine wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen. Aber als ich vom Vorstand des Naturschutzbundes Nabu gefragt wurde, ob ich Lust hätte, da mitzumachen, war ich gleich interessiert. Als pensionierter Studienrat und Vater zweier Söhne habe ich viel Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Ich habe gerne mit Kindern zu tun! Seit 2009 bin ich im Ruhestand und das Engagement in der Kita ist eine gute Gelegenheit, freie Zeit sinnvoll zu nutzen.

Was machen Sie mit den Kindern?

Einmal in der Woche, dienstags nachmittags, bin ich mit dabei im Team mit Anne Clemenz und Andrea Hartmann. Von der inhaltlichen Seite hat meine Arbeit für „Mann oh Mann“ zwei Standbeine:

  1. Thema Naturschutz
    Es geht darum, den Kindern Wissen zu vermitteln und Erlebnisse zu ermöglichen, die den Respekt und die Hochachtung vor der Natur fördern. Unter dem Motto „Raus in die Natur statt Playstation“ gehen wir mit den Kindern in den Wald. Im Winter 2011 gab es z. B. über 5 Wochen ein kleines Projekt „Vögel im Winter“. Hier brachten Anne und ich viel Wissen aus unserem Engagement beim Nabu mit ein. Unter unserer Anleitung konnten die Kinder
    • Vogelfutter herstellen
    • zur Futterstelle im Wald wandern
    • mit Ferngläsern Vögel beobachten
    • viel über heimische Vögel erfahren (vom Falken bis zum kleinsten Vögelchen, das nur ca. 5 Gramm wiegt)
    • Vögel zeichnen und malen
    Das Projekt ging dann noch weiter mit dem Bau von Nistkästen.Als weiteres Highlight ist geplant, Kameras einzubauen, so dass die Kinder z. B. das Schlüpfen der Küken beobachten können.

  2. Thema Handwerk
    Der Bauwagen ist ja quasi die Basisstation von „Mann oh Mann“. Wir haben ihn zusammen mit Vätern und Kindern zur Werkstatt ausgebaut. Hier können Kinder haptische Fähigkeiten erproben und entwickeln. Sie können handwerklich etwas ausprobieren, Hammer in der Hand halten, Nägel gerade reinklopfen, sauber auf Kante sägen, etc. 

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Mann in der Kita?

Ich will das gar nicht überbewerten. Anne und Andrea sind auch gut im Hämmern. Ich bin einfach mit dabei! Meiner Meinung nach dürfen Männer im Leben von Kindern nicht fehlen. Sehr gerne bediene ich das Abenteuerelement, lasse die Kinder etwas ausprobieren, z. B. einen Hochsitz erklettern, sich in eine Schlucht abseilen, in eine Höhle hinab steigen und mit Taschenlampen auf Schatzsuche gehen. Natürlich müssen Sicherheitsaspekte dabei berücksichtigt sein. Ängste zu überwinden macht den Kindern so viel Spaß und gibt ihnen Erfolgserlebnisse. Bei uns im Team bin ich derjenige, der sich eher traut, solche Aktionen zu initieren und zu begleiten. Ob das männerspezifi sch oder eine Typfrage ist, kann ich nicht beurteilen.

Wie reagieren die Kinder auf Sie? Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Ich habe den Eindruck, dass fast mehr die Mädchen aktiv sind. Beim Fußballspielen mag es anders sein, aber das machen die Kinder mit Tobias, der durch das Projekt „Schüler helfen“ regelmäßig in der Kita ist.
MiKitas hat sich in der Kita ausgewirkt: Jungs basteln Ketten und sind ganz sorgfältig beim Bildermalen. Mädchen spielen Fußball und werken. Das ist ok so!

Ein besonderes Erlebnis

Da denke ich an eine Aktion am Bach. Wir hatten Schiffchen gebaut und ließen sie schwimmen. An einer Stelle lag über dem Bach ein umgestürzter Baum. Plötzlich waren die Kinder Feuer und Flamme, den Bach zu überqueren. Sie wollten sich selbst beweisen: Ich kann die Angst überwinden! Alle wollten es probieren und ich ließ es unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte zu. Die Begeisterung war riesengroß.

Was bringt Ihnen die Arbeit bei „Mann oh Mann“ ?

Ich bin gerne mit Kindern unterwegs. Wir haben ein sehr nettes Team. Dadurch, dass Anne die Organisation macht, ist es easy, pensionärsmäßig. Ich bin aufgewachsen im Vogtland und in meiner Jugend bin ich auch viel und gerne in der Natur rumgestreunert. Kindheitserinnerungen werden wach und es hält jung! Wenn man Kinder mag… Das macht einfach Spaß! Man geht mit gutem Gefühl nach Hause, wenn man die Spontanität und Freude der Kinder erlebt. Das bereichert einen selbst – gerade wenn man älter ist.

 

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